Grußwort des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland in der Islamischen Republik Iran, Michael Klor-Berchtold, zur Eröffnung der Ausstellung „Einsicht“ von Hans Georg Berger

01.11.2017

از اینکه امروز در کنار شما، نمایشگاه "مکاشفه و تماشا" هانس گئورگ برگر را افتتاح می‌کنم، خوشحالم.
بیشتر از هر چیز خوشحالم، چون امروز در این مکان ویژه، در کاخ گلستان، این مناسب را جشن می‌گیریم.

[Hinweis: Der vorgenannte Absatz wurde in Farsi gesprochen und bedeutet:

Ich freue mich wirklich sehr, dass wir heute hier an diesem wunderbaren Ort zusammenkommen können, um eine ganz besondere Ausstellung eröffnen zu dürfen.]

Der Golestan Palast ist einzigartig, eine architektonische und kunsthistorische Besonderheit, und: eine Oase der Ruhe in dieser pulsierenden Metropole Teheran. Dieser Ort atmet die Geschichte des Iran, aber dieser Ort steht auch für ein Aufeinandertreffen zweier Kulturräume. Nasr ed Din Shah brachte von seinen Reisen nach Europa nicht nur architektonische Inspirationen für diesen Palast mit. Er hatte auch die ersten Kameras im Gepäck und brachte die Photographie in den Iran. 

Deshalb ist es genau der richtige Ort für unser Zusammenkommen heute, es ist der richtige Ort für die Eröffnung einer ganz besonderen Ausstellung, der photographischen Ausstellung von Hans Georg Berger, der Ausstellung mit dem schlichten, und gleichzeitig vielschichtigen Titel: „Einsicht“.

Lieber Herr Berger, Ihnen ist etwas Einzigartiges gelungen:  Sie haben als einziger „Nicht-Iraner“ und als einziger  „Nicht-Moslem“ es geschafft, in die „innerste Welt des schiitischen Islam“, in eine Welt einzudringen, die sonst im Verborgenen bleibt. Die Orte, die sie darstellen sind Orte der Ruhe, der Meditation, des stillen Gebets und des philosophischen und theologischen Gesprächs. Bei der persischen Übersetzung des Titels der Ausstellung wurden für das Wort „Einsicht“ bewusst zwei Worte verwandt: 

مکاشفه  و  تماشا

[Hinweis: Der vorgenannte Absatz wurde in Farsi gesprochen und bedeutet: Einsicht]

Denn „Einsicht“ bedeutet nicht nur „In-Etwas-Hineinschauen“. Einsicht bedeutet auch „Verstehen“, „Auf-Etwas-Eingehen“, „Sich-auf-Etwas-Einlassen“, - und wenn Sie so wollen auch: 

„sich bewegen“, „sich auf etwas zu bewegen“.

Und dahinter steht etwas ganz Wichtiges, ganz Entscheidendes: Es ist „Respekt“, - Respekt vor der Welt des Anderen:  Nur durch Respekt war es Ihnen überhaupt möglich, eine solche Nähe zu den Menschen in Ihren Bildern herzustellen. In jedem Bild, egal welche Perspektive Hans Georg Bergers Kamera einnimmt, ist zu erkennen, wie sehr sich die Person respektiert und wahrgenommen fühlt. 

Und noch eines kommt hinzu: der Dialog. Hans Georg Bergers Bilder sind keine platten Aufnahmen von Orten, Personen und Gesichtern. Die Blicke, die aus den Photos zu uns schauen, - sie sprechen zu uns, sie fordern uns heraus, sie zeigen uns einen Menschen - geborgen in seiner Welt. Hans Georg Berger eröffnet uns einen Dialog mit diesen Menschen, er vermittelt uns „Einsicht“, wir dürfen „Hineinschauen“, er zeigt uns den Weg, wie wir uns auf das Unbekannte, das Neue ,  -  im wahrsten Sinne des Wortes  -  „Einlassen“, und mit dieser  neuen Welt  in einen Dialog eintreten können.

Daher ist die Ausstellung – auch - ein wichtiges Lehrstück für das, was wir auf Deutsch  respektvollen Dialog auf Augenhöhe nennen. 

Und lieber Herr Berger: Ihre Botschaft gilt in gleichem Masse auch für die Welt der Politik und Diplomatie: wir – d.h. 7 Länder, die sog. E3 plus 3 plus Iran - haben am Ende eines respektvollen Dialogs auf Augenhöhe einen politischen Meilenstein erzielt: das sog Wiener Abkommen oder JCPOA, Joint Comprehensive Plan of Action. Und: Diplomatie  –  in diesem Kontext  -  wird in der Zukunft – und damit meine ich auch die Wochen und Monate, in denen wir uns jetzt unmittelbar befinden -- nur dann weiter erfolgreich sein, wenn alle Beteiligten den Wert eines respektvollen Dialogs auf Augenhöhe erkennen, schätzen und auch zulassen.

Lassen Sie mich am Ende noch allen Beteiligten für Ihre wertvolle Arbeit danken: mein Dank geht zuerst an unsere iranischen Partner, denn die Ausstellungsreihe ist ein deutsch-iranisches Gemeinschaftsprojekt: ich danke dem Iranischen Außenministerium, der Islamischen Organisation für Kultur und Beziehungen, der Organisation für Kulturerbe, Handwerk und Tourismus, und den Kulturabteilungen der Botschaften unserer beiden Länder in Berlin und hier in Teheran. Und natürlich dem Golestan Palast, der es uns ermöglicht, heute an diesem wunderbaren Ort zu sein. 

Ich freue mich auch, einen weiteren „Dialog“ ankündigen zu dürfen: Am kommenden Samstag wird es hier im Golestan Palast – ausgehend von dieser Ausstellung - ein Kolloquium zu Photographie und Ästhetik mit Experten und Wissenschaftlern aus Iran und Deutschland geben.

Das wichtigste aber ist: Wir danken Ihnen, Hans Georg Berger, dass wir diese Ausstellung heute hier sehen können, wir danken Ihnen, dass wir an Ihrem Werk teilhaben können. Und wir freuen uns, dass Sie heute hier bei uns sind.

امیدوارم که شما و همه‌ی ما، در فضای زیبای کاخ گلستان، از نمایشگاه جالب و توجه‌برانگیز هانس گئورگ برگر لذت ببریم.

[Hinweis: Der vorgenannte Absatz wurde in Farsi gesprochen und bedeutet:

Ich hoffe, dass wir alle die wunderbare Berger-Ausstellung im schönen Golestan-Palast genießen.]

Es bleibt mir nur noch, Sie heute aufzufordern „Einsicht“ zu nehmen, „Hineinzuschauen“ und gleichzeitig „sich Einzulassen“, in die verborgene Welt des Iran, in die innerste Welt des schiitischen Islam, in die Welt der Photographien von Hans Georg Berger. 

Vielen Dank.

Grußwort des Botschafters

Botschafter Klor-Berchtold