Einzigartige Einblicke in die Zentren für Religion und Wissenschaft in Ghom, Isfahan und Maschhad

Botschafter Michael Klor-Berchtold hat am Mittwoch (01.11.) im Teheraner Golestan Palast die Ausstellung „Einsicht - Drei Reisen in die innerste Welt des schiitischen Islam“ des deutschen Fotografen Hans Georg Berger eröffnetet. Nie zuvor hat sich ein westlicher Fotograf so ausführlich mit dem Leben in den religiösen Hochschulen des Iran befasst.

Hans Georg Berger und Botschafter Michael Klor-Berchtold (v.l.n.r.) Bild vergrößern Hans Georg Berger und Botschafter Michael Klor-Berchtold (v.l.n.r.) (© Babak Borzouyeh)

Aufeinandertreffen zweier Kulturräume 

Der Ort der Ausstellung, der zum UNESCO-Welterbe gehörende Golestan Palast, atme die Geschichte des Iran, stehe aber auch für ein Aufeinandertreffen zweier Kulturräume, so Botschafter Michael Klor-Berchtold in seiner Rede. Nasr ed Din Shah habe von seinen Reisen nach Europa nicht nur architektonische Inspirationen für diesen Palast mitgebracht. Er habe auch die ersten Kameras im Gepäck gehabt und habe die Photographie in den Iran gebracht. Deshalb sei der Golestan Palast „genau der richtige Ort für unser Zusammenkommen heute, es ist der richtige Ort für die Eröffnung einer ganz besonderen Ausstellung, der photographischen Ausstellung von Hans Georg Berger, der Ausstellung mit dem schlichten, und gleichzeitig vielschichtigen Titel: „Einsicht“.“

Diskussion zwischen zwei Ayatollahs, Qum 2004 Bild vergrößern Diskussion zwischen zwei Ayatollahs, Qum 2004 (© Hans Georg Berger)

Respekt vor der Welt des Anderen

Dem Fotografen Hans Georg Berger, der bei der Eröffnung dabei war, sei etwas Einzigartiges gelungen, so Botschafter Klor-Berchtold. Berger habe als einziger „Nicht-Iraner“ und als einziger „Nicht-Moslem“ es geschafft, in die „innerste Welt des schiitischen Islam“, in eine Welt einzudringen, die sonst im Verborgenen bleibe. Die Orte, die Berger darstelle, seien Orte der Ruhe, der Meditation, des stillen Gebets und des philosophischen und theologischen Gesprächs. 

„Einsicht“ bedeute nicht nur „In-Etwas-Hineinschauen“. Einsicht bedeute auch „Verstehen“, „Auf-Etwas-Eingehen“, „Sich-auf-Etwas-Einlassen“, - und auch: „sich bewegen“, „sich auf etwas zu bewegen“. Dahinter stehe etwas ganz Wichtiges, ganz Entscheidendes: „Es ist „Respekt“, - Respekt vor der Welt des Anderen:  Nur durch Respekt war es Ihnen überhaupt möglich, eine solche Nähe zu den Menschen in Ihren Bildern herzustellen. In jedem Bild, egal welche Perspektive Hans Georg Bergers Kamera einnimmt, ist zu erkennen, wie sehr sich die Person respektiert und wahrgenommen fühlt“, so Botschafter Klor-Berchtold.

Theologische Diskussion, Jamiat al-Zarah Universität, Qum 2004 Bild vergrößern Theologische Diskussion, Jamiat al-Zarah Universität, Qum 2004 (© Hans Georg Berger)

Respektvoller Dialog auf Augenhöhe 

Hans Georg Bergers Bilder seien „keine platten Aufnahmen von Orten, Personen und Gesichtern“, so der Botschafter. Die Blicke, die aus den Photos zu uns schauten, „sie sprechen zu uns, sie fordern uns heraus, sie zeigen uns einen Menschen - geborgen in seiner Welt“. Hans Georg Berger eröffne mit seinen Bilder einen Dialog mit diesen Menschen, er zeige uns den „Weg, wie wir uns auf das Unbekannte, das Neue ,  -  im wahrsten Sinne des Wortes  -  „Einlassen“, und mit dieser  neuen Welt  in einen Dialog eintreten können“. Die Ausstellung sei daher auch ein „wichtiges Lehrstück für das, was wir „respektvollen Dialog auf Augenhöhe“ nennen. 

Klor-Berchtold betonte, dass diese Botschaft in gleichem Masse auch für die Welt der Politik und Diplomatie gelte. „Wir – d.h. sieben Länder, die sog. E3 plus 3 plus Iran - haben am Ende eines respektvollen Dialogs auf Augenhöhe einen politischen Meilenstein erzielt: das sog. Wiener Abkommen oder JCPOA, Joint Comprehensive Plan of Action“. Diplomatie in diesem Kontext werde in der Zukunft „nur dann weiter erfolgreich sein, wenn alle Beteiligten den Wert eines respektvollen Dialogs auf Augenhöhe erkennen, schätzen und auch zulassen“, so der Botschafter.

Katalog zur Ausstellung Bild vergrößern Katalog zur Ausstellung (© Hans Georg Berger / Kehrer Verlag)

Katalog zur Ausstellung

Boris von Brauchitsch und Saeid Edalatnejad haben einen Katalog zur Ausstellung herausgegeben. Er ist im Kehrer Verlag erschienen, ist in Deutsch und Persisch erhältlich und enthält Texte von Hans Georg Berger, Boris von Brauchitsch, Catherine Choron-Baix, Saeid Edalatnejad, Seyed Ali Moujani und Carmen Pérez-González. 

Als Hans Georg Berger die Zentren für das Studium von Religion und Wissenschaft in Ghom, Isfahan und Maschhad besuchte, sei das für beide Seiten eine wichtige und neue Erfahrung, so der Katalog. Die Vielfalt der Haltungen werde dabei ebenso anschaulich, wie die Orte und Riten und der Dialog als konstitutives Element der schiitischen Lehre. Gut hundert Jahre vor Berger begannen auf Initiative zweier persischer Schahs – Naser al-Din, der Vater (1831 – 1896) und Mozaffar ad-Din, der Sohn (1853 – 1907) – Exkursionen zu den heiligen Stätten von Kerbala und Nadschaf. „Was sie beziehungsweise ihre Hoffotografen mitbrachten, sind faszinierende Dokumente, die heute als Teil des Kerbala-Korpus zum UNESCO Programm Memory of the World gehören.“ 

Beitrag zum deutsch-iranischen Wissenschafts- und Kulturdialog

Die Ausstellung wurde vom Auswärtigen Amt als Teil des deutsch-iranischen Wissenschafts- und Kulturdialogs gefördert. Die Fotografien aus dem Umfeld der Schahs und die Bilder Bergers geben einen einzigartigen Einblick und sind wesentliche fotografische Projekte einer Beschäftigung mit dem Anderen.

Das deutsch-iranischen Gemeinschaftsprojekt wurde vom Iranischen Außenministerium, der Islamischen Organisation für Kultur und Beziehungen, der Organisation für Kulturerbe, Handwerk und Tourismus, sowie den Kulturabteilungen der Deutschen Botschaft Teheran und der Iranischen Botschaft Berlin möglich gemacht.

Die Ausstellung 

Die Ausstellung wird vom 06. bis 20.10.2017 in der Galerie Rezwan, Mashhad, Iran gezeigt, vom 01. bis 15.11.2017 im Golestan Palast, Teheran, Iran, vom 25.11. bis 09.12.2017 in der Eschragh-Galerie, Ghom, Iran, vom 20.12.2017 bis 03.01.2018 im Museum für zeitgenössische Kunst, Isfahan, Iran und vom 12.01. bis 14.04.2018 in der Bumiller Collection, Berlin.

Ausgehend von der Ausstellung fand am 04.11.2017 im Golestan Palast ein Kolloquium zu Photographie und Ästhetik mit Experten und Wissenschaftlern aus Iran und Deutschland statt.

Zum Weiterlesen: 

Kehrer Verlag

Rede des Botschafters im Wortlaut

Einzigartige Einblicke in die Zentren für Religion und Wissenschaft in Ghom, Isfahan und Maschhad

Friedhof von Kerbala, 1905