Blaues Gold: Deutsch-iranische Expertengespräche zu Wasserversorgung und Abwasserentsorgung

Der deutsche Botschafter Michael Klor-Berchtold hat am 26.  Februar gemeinsam mit dem Vizeminister im iranischen Energieministerium, Sattar Mahmoudi, in Teheran das 8. Nordrhein-Westfalen – Iran Symposium „Wasserversorgung und Abwasserentsorgung“ eröffnet 

Workshop zu Wasser "blaues Gold" Bild vergrößern Erste Reihe v.r.n.l.: Staatssekretär Dr. Günther Horzetzky, Botschafter Michael Klor-Berchtold, Vizeminister im iranischen Energieministerium Sattar Mahmoudi (© National Water and Wastewater Company Iran)

Das dreitägige Symposium stand unter der Leitung des Staatssekretärs im Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Günther Horzetzky, und diente dem Austausch von iranischen und nordrhein-westfälischen Experten.

Nachhaltige Wasserpolitik: Moderne Methoden, Anlagen und Systeme, zukunftsfähiges Management sowie internationaler Austausch

Bei den Gesprächen geht es um neue Methoden zur Inbetriebnahme und Überwachung von Wasser- und Abwasseranlagen, um moderne Wasser- und Abwasseranalysen sowie um innovative Lösungen für Wasser- und Abwasseranlagen. 

Diskutiert wurden auch Themen wie die Verwendung von intelligenten Systeme für die Überwachung, Steuerung und Optimierung von Versorgungseinrichtungen mittels Computer-Systemen (Supervisory Control and Data Acquisition, SCADA), die Wiederverwendung von Abwasser bzw. Fragen des Wasserverbrauchs-Managements, sowie Aspekte des Energiemanagements für Wasserwerke und Kläranlagen. 

Ein Austausch über Fragen einer sicheren Wasserversorgung und Abwasserentsorgung (Notfallmanagement) und über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zwischen iranischen und nordrhein-
westfälischen Universitäten zur Umsetzung gemeinsamer Projekte rundete die Expertengespräche ab.

Staatssekretär Dr. Günther Horzetzky Bild vergrößern Staatssekretär Dr. Günther Horzetzky (© MWEIMH NRW / Julia Unkel)

Wasserknappheit: eine globale Herausforderung

Schaut man auf die derzeit schneebedeckten Berge im Norden Teherans, könne man sich fast nicht vorstellen, dass nur wenige hundert Kilometer südlich die Wüste beginnt, wo Menschen unter Wasserknappheit leiden, wo Wasser quasi „blaues Gold“ sei, so Botschafter Michael Klor-Berchtold.

Wasserknappheit sei ein Querschnittthema, dass alle Sphären des menschlichen Lebens betreffe: Wasser sichere unser Überleben, sei Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung, ohne Wasser gerieten Frieden und Sicherheit in Gefahr. Es müsse alle alarmieren, dass das World Economic Forum in seinem Risikobericht warnt, dass Wasserkrisen zu den wahrscheinlichsten aller globalen Krisen gehörten und ihre potentiellen Auswirkungen am größten seien. 

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) schätzt, dass bis zum Jahr 2050 etwa 200 Millionen Umweltmigranten  aufgrund von Bedrohungen wie Hochwasser, Dürre, Wüstenbildung oder Anstieg des Meeresspiegels gezwungen sein werden, ihre Heimat vorübergehend oder dauerhaft zu verlassen. 

Lösungen ohne Wasserdiplomatie nicht denkbar

Daher sei es dringend erforderlich, mit kollektiven Anstrengungen Lösungsansätze zu finden, so Botschafter Klor-Berchtold. Der Schlüssel zum Erfolg liege in internationaler Zusammenarbeit, es bedürfe einer regelrechten Wasserdiplomatie. Nur regionale grenzüberschreitende Wasserkooperation, die die Interessen aller Anrainerstaaten berücksichtigt und auf effiziente und nachhaltige Wassernutzung setzt, könne Wasserstreitigkeiten vorbeugen oder lösen.

Deutschland und Iran: Partner für Nachhaltige Wassernutzung 

Botschafter Klor-Berchtold wies darauf hin, dass Deutschland und Iran das Thema Wasser bereits im vergangenen Jahr auf die Agenda der Deutsch-Iranischen Gemeinsamen Wirtschaftskommission gesetzt hätten. Beide Staaten arbeiten daher derzeit daran, die bilaterale Kooperation in den Bereichen Wasserressourcenmanagement sowie Wasserversorgung und Abwasserentsorgung zu intensivieren. 

Aktuell gibt es zahlreiche Kooperationen,  etwa bei der Erarbeitung eines Konzepts für eine nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung der Flächen entlang des unteren Laufs des Flusses Zayandeh Rud, der durch Isfahan, die drittgrößte Stadt des Landes, fließt.  Auch zu den Themen Grundwasser- und Flussgebietsmanagement sowie grenzüberschreitende Wasserkooperation haben zahlreiche Expertentreffen stattgefunden. Beide Staaten fördern zudem das Engagement von privaten Unternehmen. 

Dem Wiener Nuklearabkommen verpflichtet

Die Tatsache, dass das Symposium bereits zum 8. Mal stattfindet, unterstreiche die langjährigen Beziehungen zwischen Deutschland und Iran in diesem Bereich. Es sei das erste Symposium nach der Aufhebung der Sanktionen im Rahmen der Wiener Nuklearvereinbarung, das die Basis für die Erneuerung und Stärkung der deutsch-iranischen Beziehungen bilde, dem Deutschland verpflichtet bleibe und dessen volle Umsetzung unterstütze, so Botschafter Klor-Berchtold. 

Deutsch-Iranische Wirtschaftsbeziehungen gestärkt

Klor-Berchtold betonte zudem, dass die Anzahl der Wirtschaftsdelegationen aus Deutschland immens und der Handel zwischen Deutschland und Iran im vergangenen Jahr um fast 30% gestiegen sei. Von besonderer Bedeutung sei auch die im Januar am deutschen Airbus-Standort in Hamburg erfolgte Auslieferung des seit fast 40 Jahren ersten Airbus-Flugzeugs an Iran Air.

Zum Weiterlesen:

Zur Person von Dr. Günther Horzetzky

Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen

Zur deutschen Wasseraußenpolitik


Stand: 26.02.2017

Blaues Gold: Deutsch-iranische Expertengespräche zu Wasserversorgung und Abwasserentsorgung

Workshop zu Wasser "blaues Gold"