Botschafter Klor-Berchtold in der iranischen Provinz Ost-Aserbaidschan: Die langjährigen deutsch-iranischen Beziehungen erneuern und vertiefen

Täbris, einst Persiens wichtigster Verkehrsknotenpunkt auf der Seidenstraße, der damals einzigen bedeutenden Verbindung zwischen Ost und West. Heute eine Millionenmetropole und Hauptstadt der iranischen Provinz Ost-Aserbaidschan. Botschafter Michael Klor-Berchtold hat sich in dem kulturellen Zentrum der iranischen Aserbaidschaner dafür eingesetzt, die langjährigen deutsch-iranischen Beziehungen in der ganzen Breite zu erneuern und zu vertiefen: politisch und ökonomisch, aber auch kulturell und zwischengesellschaftlich. 

Michael Klor-Berchtold ist vom 20. bis 21. August zu Gesprächen nach Täbris und Urumia gereist. Er hat zudem den von Versalzung bedrohten Urumia-See und das touristisch bedeutende Dorf Kandovan besucht. 

Wechselseitige Vertrauensbildung

Bei dem Treffen mit dem Gouverneur von Ost-Aserbaidschan, Esmaeil Jabbarzadeh, betonte Klor-Berchtold Deutschlands Bereitschaft zu einer engeren Zusammenarbeit mit Iran, zu der die Wiener Nuklearvereinbarung das Tor geöffnet habe. Mit seinem Besuch wolle er zur der notwendigen wechselseitigen Vertrauensbildung beitragen, so Klor-Berchtold. Er sei zuversichtlich, dass Deutschland und Iran und insbesondere Ost-Aserbaidschan gemeinsam gute Fortschritte machen könnten.

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Wirtschaftlicher Öffnungskurs

Bei Gesprächen mit dem Präsidenten der Industrie- und Handelskammer von Täbris, Samad Hasanzadeh, aber auch mit Maschinenbauunternehmern, Vertretern von Autozuliefererbetrieben, Unternehmern, die im Bereich erneuerbare Energien tätig sind, sowie mit Basarhändlern wurde deutlich, dass die iranische Wirtschaft große Hoffnungen in die politische Annäherung an den Westen setzt. 

Klor-Berchtold begrüßte den von Präsident Rohani eingeschlagenen Öffnungskurs und zeigte sich zuversichtlich, dass sich diese Politik auszahlen werde. Die Iranerinnen und Iraner hätten es verdient, die Früchte der Wiener Nuklearvereinbarung möglichst bald zu ernten. Dass sich die deutsch-iranischen Wirtschaftsbeziehungen rasant verbesserten, sehe man an dem außergewöhnlich stark gestiegen Handelsaustausch, so Klor-Berchtold. Die Exporte aus Deutschland seien gegenüber 2015 um 42% und gegenüber 2016 um 23% gestiegen und beliefen sich derzeit auf 1,4 Milliarden Euro.

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Religiöse Minderheiten

Bei seinem Gespräch mit dem Prälaten der armenisch-apostolischen Christen in Aserbaidschan und Iran, Bischof Krikor Chiftjian, sprach Botschafter Klor-Berchtold über die religiösen Minderheiten in Iran. Bischof Chiftjian hatte im Mai auf Einladung von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel an der Konferenz des Auswärtigen Amtes zur "Friedensverantwortung der Religionen" teilgenommen.


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Umweltschutz 

Bei seinem Besuch des Urmia-Sees im äußersten Nordwesten des Iran, der in Gefahr ist, vollständig auszutrocknen und zu versalzen, sowie bei seinen Gesprächen mit Vertretern der Umweltbehörde von Urmia sprach Botschafter Klor-Berchtold über die wachsende Gefahr lebensfeindlicher und gesundheitsschädlicher Salzstürme. Er bestärkte die iranischen Behörden bei ihrem Plan, die Zerstörung des Seengebiets, dass 1976 von der UNESCO als Biosphärenreservat deklariert wurde, aufzuhalten.

Klor-Berchtold unterstrich zudem das bisherige deutsche Engagement: Im Juni 2012 wurde die "Initiativ Group Urmia Lake" (IGUL) unter Beteiligung von Wissenschaftlern der Universitäten Bonn und Marburg in Bonn gegründet. Die Gruppe präsentierte im Juli 2013 eine Zehn-Punkte-Strategie zur Rettung des Sees und seines Ökosystem. Unter anderem wurde empfohlen, die von Staudämmen regulierte Wassermenge, die in den See fließt, um 20 bis 25 Prozent zu erhöhen. Außerdem müsste die Zahl der geschätzten 18.000 legalen und illegalen Brunnen im Einzugsgebiet des Sees stark reduziert werden. Die erste internationale Konferenz zu Rettungsmaßnahmen für den Urmia-See fand im November 2013 an der Freien Universität in Berlin statt. 


Botschafter Klor-Berchtold in der iranischen Provinz Ost-Aserbaidschan Bild vergrößern (© Deutsche Botschaft Teheran)

Tourismus

Es sei sehr gut, dass immer mehr deutsche Touristen nach Täbris und in die Region kämen, dies sei ein wichtiges Zeichen, so Klor-Berchtold, der von den zahlreichen touristischen Zielen und dem Kulturerbe der Region beeindruckt war. Wie etwa von dem Großen Bazar, der Täbris als prächtiger Handelsort für Gold, Porzellan, Gewürze, Seide und Teppiche einst sagenhaften Reichtum beschert hatte und in dem auch heute noch Waren von unermesslichem Wert gehandelt werden. Der Bazar, der über Jahrhunderte Reisenden aus Europa und Asien sichere Unterkunft in Karawansereien bot, sei heute ein Ort, an dem die Idee der historischen Seidenstraße weiterlebt und wo Waren aus Iran und aller Welt gehandelt werden. Aber auch die Freitagsmosche aus der Zeit der Seldschuken und die Blaue Moschee aus der Zeit der Turkmenen zeugten von Sinn der Menschen für einzigartige Schönheit. Das Haus der Verfassung in Täbris, das an die Verfassungsbewegung 1906-1909 erinnert, gehöre ebenfalls zu den touristisch sehenswerten Zielen, so Klor-Berchtold.


Fußball: Deutsch-Iranische Kooperation zur Stärkung weiblicher und männlicher Jugendtrainerinnen und Jugendtrainer Bild vergrößern (© Tractor club)

Fußball
Deutschland und Iran sind große Fans des Fußballs - ein Besuch beim erfolgreichen iranischen Erstligisten Tractor Sazi Tabriz FC durfte daher nicht fehlen. Botschafter Klor-Berchtold sprach mit den Funktionären des Vereins sowie dem berühmten Fußballkommentator, Javad Khiabani, über den iranischen und deutschen Fußball sowie über Sport-Journalismus. 

Stand: 22.08.2017

Botschafter Klor-Berchtold in der iranischen Provinz Ost-Aserbaidschan

Botschafter Klor-Berchtold in der iranischen Provinz Ost-Aserbaidschan