Deutsch-Iranische Begegnungen - Klimawandel

„Die beste Zeit einen Baum zu pflanzen war vor 20 Jahren – die zweitbeste ist jetzt!“ Klimawandel1 Bild vergrößern (© Raoul Sellke)

Prof. Dr. Dr. Klaus Töpfer, ehemaliger UNEP-Generalsekretär und deutscher Umweltminister a.D., diskutierte im Rahmen der „Deutsch-Iranischen Begegnungen“ mit Dr. Masoumeh Ebtekar, der für Umweltfragen zuständigen Vize-Staatspräsidentin Irans, Themen wie: Klimawandel im Iran, Sandstürme als sicherheitspolitische Herausforderung, Reduzierung des Wasserverbrauchs in der Landwirtschaft, Rettung des Urumia-Sees, Irans „Umweltverträglichkeitsprüfung“, Geo-Engineering als Lösung für Umweltprobleme?

Am 17. Juli fand die dritte Veranstaltung der Reihe „Deutsch-Iranische Begegnungen“ der Deutschen Botschaft Teheran zum Thema: „Climate Change, Water Shortage and Sustainable Development – How to meet tomorrow’s challenges“ statt. Moderiert wurde die Gesprächsrunde durch den Teheraner VN-Botschafter Gary Lewis. Nach Grußworten des Leiters des Zentrums für internationale Angelegenheiten und Konventionen der iranischen Umweltorganisation, Dr. Majid Shafiepour, und des deutschen Botschafters, Michael von Ungern-Sternberg, diskutierten die Panelisten u.a. die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen (SDGs). Dr. Ebtekar umriß die Problematik der Wasserknappheit im Iran aufgrund abnehmender Regenfälle, zunehmender mittlerer Temperaturen, Verlusten in Wasserleitungen, abnehmender Grundwasserpegel. Sie führte mögliche Maßnahmen für nachhaltigere Wasserverbrauchsstrukturen aus wie Fortbildung für Landwirte, Schutzmaßnahmen für Flüsse, Seen und Feuchtgebiete, Maßnahmen gegen illegale Brunnen, angepasste Wasserpreise, entschlossen durchgesetzte Umweltverträglichkeitsprüfungen etc.

Die zunehmende Relevanz heftiger Sandstürme nicht nur in Iran, auch weltweit, wurde diskutiert. Der weitaus überwiegende Teil dieser Sandstürme entstamme Gebieten westlich Irans. Wenn diese unter der Kontrolle des Islamischen Staats stehen, zeige dies die sicherheitspolitische Dimension dieses auch wirtschaftlich gravierenden Problems. Sandstürme weisen häufig eine Höhe von 5 – 8 km über dem Erdboden auf und beeinträchtigen u.a. die Photosynthese. Klimawandel2 Bild vergrößern (© Raoul Sellke)

Dr. Töpfer wies darauf hin, welche Achtung die Ressource Wasser in den Regionen dieser Welt erfahre und würdigte die jüngste Verleihung der Eigenschaft als Weltkulturerbe für das alte persische „Qanat“ - Wasserverteilungssystem. Geo-Engineering sollte in seinen Augen kritisch hinterfragt werden. Möglich sei heutzutage viel, von der Farbveränderung von Wolken bis zur Düngung von Ozeanen, die langfristigen Auswirkungen seien häufig jedoch unbekannt. Er wies auf interessante Business-Modelle zur Nutzung umweltrelevanter Stoffe wie Kohlendioxid hin, die im Überfluss anfallen. Die Natur kenne keinen Abfall, man könne diese durchaus wirtschaftlich nutzen.
Anschließend machten die rund 150 anwesenden Gäste lebhaften Gebrauch von der Möglichkeit, Fragen zu den aufgeworfenen Themen zu stellen.